"Spaß haben" ist eines der größten Lebensziele vieler Menschen in unserem Land, vor allem der jungen Generation. Unsere Medien pushen das ganz besonders intensiv: Unterhaltungssendungen, soweit das Auge reicht, Slapstick, Comedy, mal mit mehr, mal mit weniger Niveau. So wird der Spaß als Kulturgut und Lebensinhalt zelebriert. Dagegen ist ja auch grundsätzlich nichts einzuwenden, solange eine gewisse Ausgewogenheit herrscht, wir auch noch in der Lage sind, mal ernst zu sein und Tiefgang zuzulassen.
Doch was passiert, wenn das wahre Leben mitten hinein bricht in eine der größten Unterhaltungsshows Europas? Zuerst der grenzenlose Jubel, Standing Ovations, Anfeuern des jungen Mannes, der auf Sprungfedern über fahrende Autos springt. Der Nervenkitzel dient dabei als Grundlage für den Spaß der Massen, Begeisterung und Angst in einem adrenalinbegünstigenden Wechselspiel. Dann passiert das, was keiner wirklich geglaubt hätte: vor den Augen des Millionenpublikums stürzt der Kandidat und bleibt bewegungslos liegen. Sofort sind Sanitäter vor Ort, das Publikum, eben noch in jubelnder Ekstase, weint, schlägt fassungslos die Hände vor das Gesicht. Totenstille. Entsetzen. Die Sendung wird abgebrochen.
Das wahre Leben hat die Spaßgesellschaft brutal vorgeführt. Das Leid ist ein Teil des Lebens, das wir versucht haben, auszublenden. Nun hat es hat sich mitten hinein gemogelt und niemand konnte etwas dagegen tun. Da sind wir also, auf dem Boden der Tatsachen. Bis spätestens zur nächsten Sendung, wenn wir wieder zur Tagesordnung übergehen. Cut.
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